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Wie Bismarcks Gürtelrose die Weltpolitik prägte – bis in unsere Gegenwart
Es klingt zu schön, um wahr zu sein. Oder von der anderen Seite betrachtet: Werbung könnte kaum besser ausgedacht sein. Eine neue Studie stützt den Verdacht, dass eine Impfung gegen Gürtelrose vor Demenz schützen kann. Neu ist der Verdacht nicht, er galt bislang dem heute in Deutschland nicht mehr zugelassenen Lebendimpfstoff. Eine Studie aus den USA hat nun die „Neben“-Wirkung des derzeitigen Impfstoffes Shingrix überprüft. Eine andere Studie aus Oxford hat den alten und neuen Impfstoff im Vergleich betrachtet. (Eine aktuelle Linkliste finden Sie am Schluss des Artikels.)
Dass die Gürtelrose Auswirkungen auf Nerven und Gehirn hat, war auch in den Zeiten schon klar, als die Gürtelrose noch als Hautkrankheit betrachtet wurde und Zeitungen darauf verwiesen, dass der korrekte Name eigentlich Gürtelflechte sei.
Ein Zeugnis dieser äußerst widersprüchlichen Wahrnehmung liefert eine Beschreibung von 1878. Damals erkrankte Reichskanzler Otto von Bismarck im Frühjahr und im Sommer an der Gürtelrose. Den Zeitgenossen war der Zusammenhang klar, ebenso wie Bismarck selbst. Es war die Balkankrise, in der Bismarck als neutraler Vermittler versuchte, die Verhältnisse, genauer die Gebietsansprüche, der Großmächte nach dem Russisch-Osmanischen Krieg so zu ordnen, dass ein europäischer Krieg vermieden wird. Am Ende wurde Bulgarien kleiner, Rumänien, Serbien und Montenegro selbstständig und Österreich-Ungarn bekam das Recht, Bosnien und Herzegowina zu verwalten.
Die politische Lage und die gesundheitliche Situation Bismarcks kommentierte am 30.04.1878 der Ohligser Anzeiger, wohl auch in der etwas verhohlenen Absicht, an Bismarcks Rolle als Moderator der Berliner Konferenz zu rütteln, ausgiebig auf der Titelseite:
„Die Erkrankung des Fürsten Bismarck zu einer Zeit, wo wir vielleicht knapp vor dem Ausbruche eines des größten und folgenschwersten Kriege stehen, erregt in allen Kreisen der Bevölkerung große Besorgnis und die Bedeutung des Uebels, an dem er leidet, wird vielfach übertrieben. Die Gürtelrose, richtiger Gürtelflechte, ist eigentlich nur deshalb eine gefürchtete Krankheit, weil sie oft eine große Ausbreitung gewinnt und überaus heftige Schmerzen hervorzurufen pflegt. Abnormale Erscheinungen haben sich bisher, wie man hört, in dem Zustande des Fürsten Bismarck nicht gezeigt, Dank den umsichtigen Präservativmitteln, welche gleich von ärztlicher Seite angeordnet wurden, und man hofft, die Ausbreitung der lästigen Flechte von der Brust und den Gliedmaßen auch weiter fernhalten zu können. In dieser Hinsicht setzt man große Hoffnungen auf das Einschreiten des an ärztlicher Erfahrung in Hautkrankheiten so reichen Dr. Struck. Auch erwartet man, dass es ihm gelingen werde, die bei der „Gürtelrose“ – um bei dem populären Ausdruck zu bleiben – übermäßig heftig auftretenden Schmerzen zu lindern, von denen man eine üble Rückwirkung auf die ohnehin in krankhaft reizbarem Zustande befindlichen Nerven des Fürsten Reichskanzlers befürchtet. Leider ist eine rasche Genesung nicht zu gewärtigen, denn der normale Verlauf dehnt sich über drei bis vier Wochen aus und ist sehr häufig mit akuten Fiebererscheinungen verbunden, die jedoch in günstigen Fällen nicht lange währen. Die Krankheit flößt, wie gesagt, an und für sich keine besonderen Bedenken ein, nur das nervöse, leidenschaftliche und ungeduldige Temperament des Fürsten Bismarck lässt sie in schlimmerem Lichte erscheinen. Tief bedauerlich bei derselben ist es jedenfalls, dass dadurch gerade jener Staatsmann, an dessen weise Intervention gegenwärtig alle Welt interveniert, von den diplomatischen Geschäften ferne gehalten wird und dieser Umstand dürfte wohl auch auf das Befinden des schon in gewöhnlichen Zeiten an eine selbstständige Tätigkeit gewöhnten Fürsten besonders übel zurückwirken. Sollte er sich trotzdem die Leitung vorbehalten, so könnte seine krankhafte Exhalation ihn leicht hindern, die Ereignisse so klar zu überblicken und zur rechten Zeit mit so energischer, siegessicherer Hand einzugreifen, wie es sonst wohl der Fall war. Die „Gürtelrose“ des Fürsten Bismarck wird vielleicht einst in der Geschichte ihre Rolle spielen... Man weiß ja, welch' große Wirkungen oft kleine Ursachen hervorzubringen pflegen.“
https://zeitpunkt.nrw/ulbbn/periodical/zoom/9102211
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Die Nervenkrise und Gürtelrose Bismarcks war also tatsächlich wenig harmlos, sondern auch das Symptom einer Krise der Großmächte – und einer Instabilität der europäischen Verhältnisse, deren Auswirkungen vom Ersten Weltkrieg bis in die Gegenwart hinein zu spüren sind. Heute stehen wir genau vor dem Krieg, den Bismarck zu vermeiden bemüht war.
Aktuelle Links zu Berichten über Studien zur Wirkung der Gürtelrose-Impfung:
T-Online berichtet am 31.08.2026 über eine Studie der Brown University in den USA. Hier wurden die Reaktionen von mit Shingrix geimpften Pflegebedürftigen mit denen ungeimpfter Pflegebedürftiger verglichen.
https://www.t-online.de/gesundheit/aktuelles/id_101411746/schuetzt-doppelt-guertelrose-impfung-kann-demenzrisiko-senken.html
Die Bild fasst am 27.08.2026 die Ergebnisse der Studie aus den USA zusammen:‘ https://www.bild.de/leben-wissen/medizin/guertelrose-impfung-kann-shingrix-auch-vor-demenz-schuetzen-6a33b3baaf14c0b52895e23f
Die Pharmazeutische Zeitung hat eine andere Studie im Blick. Forscher der Universität Oxford verglichen hier die Wirkungen des alten Lebendimpstoffes mit der Wirkung des neuen. Der Artikel vom 27.08.2026 weist gleich im Vorspann darauf hin, dass ein Zusammenhang zwar beobachtet werden kann, aber nicht als ursächlich nachgewiesen ist:
https://www.pharmazeutische-zeitung.de/neue-hinweise-auf-schutz-fuer-herz-und-gehirn-167876/
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Aktuelles aus dem Gesundheitswesen
Das Gesundheitswesen ist ständig in Bewegung. Neue Gesetze, digitale Lösungen, medizinische Entwicklungen und Veränderungen in der Versorgung betreffen Fachleute ebenso wie Patienten. Unser Nachrichten-Blog informiert Profis aus dem Gesundheitswesen sowie interessierte Patienten aktuell, verständlich und kompakt über die wichtigsten Themen und Entwicklungen der Gesundheitsbranche – damit Sie wissen, was heute wichtig ist und morgen wichtig wird.
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Kostenlose Kranken-Mitversicherung von Ehepartnern abschaffen?
Sie haben sie gefunden: Die Geldquelle, die die Finanzierungslücken der Krankenkassen füllen könnte. Die Überschriften zum Thema sind gendergerecht: Die kostenlose Mitversicherung von Ehepartnern bei den Krankenkassen soll gestrichen werden. Jede Wette: Die meisten davon sind Frauen. Die Koalition will jetzt also den Hausfrauen an den Kragen bzw. der Familie an den Geldbeutel. Denn wenn der nicht verdienende Ehepartner, also höchstwahrscheinlich meistens die nicht verdienende Ehepartnerin, Krankenkassengebühren zahlen muss, wird sie notgedrungen arbeiten gehen müssen.
Das Handelsblatt berichtete heute, 23.03.2026 zuerst, allerdings hinter Bezahlschranke:
https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/gesundheitsreform-koalition-will-mitversicherung-von-ehepartnern-abschaffen/100207217.html
Der Merkur folgt dem Handelsblatt, ebenfalls am 23.03.2026, textlich: „Wie das Handelsblatt unter Berufung auf Koalitionskreise berichtet, könnten die Kosten um einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag pro Jahr gesenkt werden und den Anreiz erhöhen, arbeiten zu gehen. Weiter heißt es, dass künftig mindestens 225 Euro im Monat an Kranken- und Pflegekasse entrichtet werden sollen. Ausnahmen sollen für Menschen mit Kindern unter sechs Jahren oder pflegebedürftigen Angehörigen gelten. In Deutschland sind rund 16 Millionen Menschen kostenlos mitversichert, der Großteil davon sind Kinder.“
https://www.merkur.de/wirtschaft/krankenversicherung-koennte-fuer-familien-teurer-werden-bericht-ueber-heiklen-plan-merz-regierung-zr-94231706.html
Auch ntv zitiert in der Berichterstattung das Handelsblatt, 23.03.2026:
https://www.n-tv.de/politik/Kostenlose-Krankenversicherung-fuer-Ehepartner-koennte-kippen-id30500918.html
Die FAZ hat über ihren Artikel vom 23.06.2026 eine Bezahlschranke gelegt:
https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/krankenkassen-ende-der-kostenlosen-partnerversicherung-rueckt-naeher-200662735.html
Hier die Statistik zu den Familienangehörigen, die in der Allgemeinen Krankenversicherung kostenlos mitversichert sind. Sie finden die Zahlen in einem PDF des Bundesgesundheitsministeriums, es sind die Werte von Januar und Februar 2026:
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Statistiken/GKV/Mitglieder_Versicherte/KM1_Januar_bis_Februar_2026.pdf
Kennziffer | Beschreibung | Männer (Mä.) | Frauen (Fr.) | Gesamt (Zu.) |
11010 | Mitversicherte Angehörige gesamt | 6.805.167 | 8.223.241 | 15.028.408 |
11015 | ./. Mitversicherte Kinder | 6.549.047 | 5.542.128 | 12.091.175 |
Ergebnis | Mitversicherte Ehepartner | 256.120 | 2.681.113 | 2.937.233 |
Nach dieser Statistik liegt also die Zahl der kostenlos mitversicherten Ehefrauen aus der Gesamtzahl der kostenlos mitversicherten Ehepartner bei über 90 Prozent.
Über die möglichen Einsparungen, Gewinne, Geldumleitungen aus dem Bundeshaushalt zu spekulieren oder zu diskutieren, ist vielleicht erst dann sinnvoll, wenn die Debatte zu einem konkreten Plan oder Ergebnis geführt hat.
Klar aber ist eines: Bei den Frauen liegt der Schatz vergraben. Und klar ist noch etwas anderes: Die Hausfrau und Mutter, die bislang keinen Arbeitgeber hat, wird sich einen suchen müssen. Das ist kein Abschied von einem scheinbar veralteten Familienmodell. Das ist mehr: Es wird sich die gesamte Gesellschaftsstruktur ändern müssen, um die Arbeit, die diese Frauen leisten, ersetzen zu können. Denn dass all diese Frauen nicht arbeiten gehen, hat ja seinen Grund mit Sicherheit in Notwendigkeiten: Familienbetriebe, Familien mit behinderten Kindern, Familien mit zu versorgenden älteren Menschen – da liegt reichlich Versorgungsarbeit. Unbezahlte Versorgungsarbeit.
Nicht nur, dass dies ein grundsätzlicher Angriff auf die Familie ist. Die dann wegfallende Care-Arbeit muss ja anschließend teuer eingekauft werden. Da wo die Familienstruktur die schwachen Mitglieder unserer Gesellschaft, also die Kinder, die Behinderten, die Alten nicht mehr mitnehmen kann, müssen neue Strukturen geschaffen werden, in denen diese Menschen im schlimmsten Fall für viel Geld nur aufbewahrt werden. Am Ende steht eine Rechnung, die nicht aufgehen kann.
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Krankenhausticker: Aus für die Klinik Tettnang
Die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Insolvente Krankenhäuser, schwierige Übernahmeverhandlungen, Fragezeichen zur Krankenhausreform. Darum sollen hier jetzt alle wirtschaftlichen, medizinischen, sozialen und (personal-)politischen Artikel zur Lage der Krankenhäuser und zu Umstrukturierungen als fortlaufende Linkliste gesammelt werden. Damit die Liste möglichst vollständig wird, werden auch Artikel hinter Bezahlschranke aufgenommen.
09.04.2026:
Das Krankenhaus in Tettnang soll geschlossen werden, berichtet der SWR am 08.04.2026:
https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/friedrichshafen/klinik-tettnang-schliesst-ende-mai-100.html
Die Inselklinik auf Föhr kann ihre Diagnostik ausbauen. Genauere Infos hinter Bezahlschranke bei der SHZ, 09.04.2026:
https://www.shz.de/lokales/amrum-foehr-halligen/artikel/inselklinik-foehr-amrum-40000-euro-spende-staerkt-diagnostik-50488075
In Schönebeck, Sachsen-Anhalt, arbeitet das Ameos-Krankenhaus noch immer auf zwei Häuser verteilt. Eigentlich sollten mittlerweile beide Standorte zusammengeführt sein. Mehr hinter der Bezahlschranke bei der Volksstimme, 09.04.2026:
https://www.volksstimme.de/lokal/schoenebeck/ameos-klinik-termin-fur-den-umzug-bleibt-ungewiss-4229821
Das Helios-Krankenhaus in Bad Breisach geht zurück in den Besitz der Stadt, schreibt die Badische Zeitung. Der Bericht hinter Bezahlschranke ist vom 08.04.2026:
https://www.badische-zeitung.de/das-rosmann-krankenhaus-gehoert-wieder-der-stadt-breisach
Der Kreistag Harz hat dem Harzkrankenhaus 14 Millionen Euro bewilligt und weitere Hilfen zugesagt. Die Summe der finanziellen Unterstützung liegt am Ende bei 39 Millionen Euro. Bericht beim MDR, 09.04.2026:
https://www.mdr.de/nachrichten/sachsen-anhalt/magdeburg/harz/harzklinikum-krankenhaus-geld-kreistag-102.html
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